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Aus
was besteht eine gute Soße? Jedenfalls nicht aus Knorr oder Maggi, wie uns die Werbung weismachen will.
Die
Soße ist das Wertvollste, was uns das Fleisch herausgibt. Fleischsäfte, gelöste Kollagene und weitere
Proteine, die durch Anröstung karamellisieren und eine große Menge
Geschmacksstoffe bilden. Du weißt -
die Maillardreaktion. Dazu kommen noch die Aromastoffe und Röstprodukte vom Wurzelwerk, Gewürze, Wein,
Essig, Sahne, Schmant, Eigelb usw.
Eine
unübersehbare Zahl von Geschmacksstoffen ergeben einen harmonischen Gesamtgeschmack - wenn der Saucier
ein Meister ist. Für Saucen, die höchste Ansprüche befriedigen, braucht man die höheren Weihen der
Kochkunst. Ein
maitre saucier
ist ein Künstler, zu vergleichen mit einem Konzertmeister - die Orchestermittel bestehen aus Gewürzen,
Kräutern, Gemüse, Früchten, Weinen, Reduktionen, Fonds...
Wenn
Brillat-Savarin 3 Pfund Rindfleisch und Kalbsknochen 10 Stunden kocht, um dann die erhaltene
Bouillon auf einen Bruchteil zu reduzieren - zur Demiglace
für seine Soße, so mag das verschwenderisch klingen, denn das ausgelaugte Fleisch ist nahezu zu nichts
mehr zu verwenden - c’est pour les domestiques, doch höchster Genuss ist eben nicht zum Nulltarif zu
erhalten.
Brillat-Savarin
übermittelte folgende Anekdote: Der Fürst von Soubise wollte eines Tages ein Fest geben, es sollte mit
einem Abendessen enden. Er verlangt von seinem Oberkoch den Küchenzettel. Auf der langen Liste fällt ihm als erster
Posten „fünfzig Schinken“ auf. „Bertrand“ ruft er „ich glaube Du schwadronierst! Fünfzig
Schinken! Willst Du mein ganzes Regiment bewirten!“ – „Durchaus nicht, mein Fürst, es kommt nur
einer auf die Tafel. Die anderen brauche ich für die Sauce...“
Würdigung
erfährt der Maitre Saucier, indem seine Kreationen neben dem Hauptgericht mit dem Wörtchen „an“
versehen werden. Das wird allerdings leider auch auf Speisekarten nachgeahmt, wo die Soße gerade mal den
Namen Tunke verdient.
Aber
auch ohne Meisterwürden und fünfzig Schinken ist es möglich eine gute Soße zu bereiten, wenn man
einige Grundsätze beherzigt:
Bei
der Bereitung von Braten, die Soße immer kurz halten. Erst dann mit wenig kochendem Wasser den Flüssigkeitsverlust
ausgleichen, wenn der Fond schon zusammengeschmurgelt ist. Es sollen möglichst viele geschmacksbildende Röstprozesse
stattfinden. Der Punkt des Angießens ist natürlich nicht zu überschreiten – schwarz werden darf
nichts.
Das
Wichtigste für die Soße ist der Bratensatz. Er wird mit etwas heißem Wasser oder Wein sorgfältig gelöst.
Dieser Fond bildet die Grundlage für alle weiteren Bereitungen.
Mitunter
macht sich ein
Entfetten
des Fonds notwendig. Das kann auf dreierlei Art geschehen:
-
Abschöpfen. Dabei besteht die Gefahr, dass auch der wertvolle
Bratenfond z.T. mit abgeschöpft wird.
-
Absaugen mit Küchenkrepp – mit den gleichen Unzulänglichkeiten wie
beim Abschöpfen.
-
Den Fond kalt stellen - und das erstarrte Fett lässt sich bequem
abnehmen. Das ist die sicherste Methode, denn man kann gut dosieren, wie viel Fett man der Soße noch
zugesteht.
Man
sollte sich aber hüten, die Soße völlig zu entfetten, Geschmacksverlust wäre die Folge! Fett ist ein
unentbehrlicher Geschmacksträger, da sich viele Gewürze nur in Fett entfalten können.
Ein
Koch hat viele unterschiedliche Reduktionen für seine Saucen-Creationen zur Verfügung. Welcher Aufwand
da getrieben wird, schildere ich in der Bereitung einer Demiglace. Wir, die wir hauptsächlich für unsere
Ernährung kochen, müssen uns bescheiden. Doch das bedeutet nicht, dass wir auf Soßen-Genuss verzichten
müssen.
Wir
bereiten unsere Soße aus dem Bratensatz, den wir mit Kochendwasser oder Wein auflösen. Diese Soßen sind
im ersten Stadium normalerweise ziemlich dünnflüssig und das Fett schwimmt obenauf. Um eine richtige Soße
daraus zu machen bedarf es einer vollendenden Weiterbehandlung. Einmal
soll die Soße eine Konsistenz haben, die am Fleisch und Beilagen haften bleibt und zum Zweiten soll das
Fett mit den wässrigen Bestandteilen eine Emulsion bilden. Dies wird erreicht durch das Binden der Soße.
Dazu
gibt es verschiedene Möglichkeiten ( siehe auch Küchentipps):
-
Binden mit Mehl (Einbrenn, Mehlschwitze =
Roux)
oder Kartoffelstärke - die einfachste Möglichkeit. Eine von der nouvel cuisine
verpönte Sache. Doch wir wollen ja keine Michelinsterne erwerben, sondern nur mit erträglichem Aufwand
gut essen.
-
Binden mit Soßenkuchen. Das ist eine Bindung ganz spezieller Art - für
Sauerbraten, Biersoße etc.
-
Binden durch Senf. Senf enthält grenzflächenaktive Substanzen, die
eine Emulsion Fett-Wasser ermöglichen.
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Binden mit Butter, Sahne. Gibt sehr wohlschmeckende, nicht gerade
kalorienarme Soßen.
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Binden mit Eigelb als Emulgator - das Legieren. Für Anfänger schwierig zu
beherrschen. Die Soße darf dann nicht mehr kochen, sonst gerinnt sie.
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Binden durch Reduktionen von Fleischbrühe. Bindestoffe sind hier die
Kollagene. Zweifelsohne die exzellenteste Art, aber eine sehr aufwendige Angelegenheit.
Es
gibt einige Standard-Soßen, die je nach Gericht in der Würzung abgewandelt werden können. Das
Grundprinzip muss aber eingehalten werden.
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