Weißkohleintopf

Im englischen Sprachraum sind wir Deutsche die „Krauts“ - die Kohlfresser. Schon das zeigt die lange Tradition des Kohls in der deutschen Küche. Bei den Mönchen des Mittelalters gab es hauptsächlich Kohl als Hauptmahlzeit.
Doch auch im alten Griechenland war der Kohl als einfache Speise verbreitet. Diogenes wurde einst angesprochen: „Würdest Du den Mächtigen huldigen, brauchtest Du keinen Kohl zu essen“. Diogenes antwortete: „Wenn Du Kohl essen würdest, brauchtest Du den Mächtigen nicht zu huldigen“.

Kohl wurde überall angebaut. Gemüsegärten hießen im vorigen Jahrhundert Kohlgärten. Kohl war die Volksnahrung.
Ich kann mich erinnern: auf den Fluren der Mietskasernen in den Arbeitervierteln roch es immer nach Kohl. Ein Kohlkopf kostete damals 15 Pfennige...
Und dem Kohl haftet noch immer ein wenig der Ruf des Arme-Leute-Essens an. Doch hat der Kohl sich inzwischen mächtig gemausert und auch Zugang in die feine Küche gefunden.

Bei mir erweckt dieser spezifische Geruch Kindheitserinnerungen an die Tage der „Großen Wäsche“. Die „Waschfrau“ kam zwei Tage zur Hilfe – zum Essenkochen war keine Zeit. Es wurde am Tag zuvor ein riesiger Weißkohleintopf gekocht. Das ganze Haus roch dann oben nach Kohl – und unten nach Kernseife...
Ich esse diesen kräftigen, sättigenden Eintopf aber heute noch gern.

Kaufe einen kleinen Weißkrautkopf guter Qualität. Gutes Kraut schmeckt süßlich und darf nicht nach Keller riechen!
Löse die äußeren Blatter ab und viertele ihn. Schneide die Strünke großzügig heraus und schneide ihn dann quer in etwa 1cm-breite Streifen. Es wird wohl die Hälfte des Kohlkopfes ausreichen – oder nimm das übrig gebliebene Kraut von der Kohlrouladenbereitung.

In 2 Liter kochendes Salzwasser gib ein Stück (etwa ½ Pfund) Schweinebauch und koche es ½ Stunde vor.
Dann gib rohe Kartoffelwürfel von 4 großen Kartoffeln und das geschnittene Kraut hinzu. Es soll den Topf bis zum Wasserspiegel füllen.
Würze jetzt mit einem Esslöffel Kümmel sowie 10 Pfefferkörnern und schließe den Topf.
Kümmel ist das Kohlgewürz und darf auf keinen Fall fehlen. Es hilft bei der Verdauung und mildert die unangenehmen „Begleiterscheinungen“ nach dem Genuss von Kohlgerichten.

Nach einer weiteren halben Stunde Kochzeit, nimm das Fleisch heraus und schneide es in Würfel. Du kannst jetzt entscheiden, ob Du die Schwarte, die Knorpel und das fette Fleisch wegschneidest. Bei mir bleibt alles dran.
Schmecke jetzt den Eintopf mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer ab und gib die Fleischwürfel wieder hinein.

Noch 10 Minuten Kochen, den Topf vom Herd nehmen und weitere 10 Minuten ruhen lassen.  

*

Willst Du den Eintopf wieder aufwärmen, bringe ihn immer zum Kochen und nasche nie aus dem Topf! Kohl wird schnell sauer – und dann stinkt er wirklich.