Spinat

Es kommt natürlich nur Blattspinat infrage. Feingehackter Brei erinnert mich zu sehr an unsägliche Kinder-Quälereien – „ist sooo gesund, ist Eisen drin ...“. Ich habe nie verstanden, warum Eisen gesund sein soll. Für mich war Eisen als Kind ziemlich ungesund, weil ich mir daran oft schmerzhafte Schrammen holte.

"Der Spinat muss im Topf lange, lange kochen." - "Spinat wird durch langes Garen immer besser", so schrieb es Oma auf.  Ich erinnere mich noch: der bauchige, beige glasierte Tontopf stand im hinteren Breich des alten Küchenherds und der Spinat machte ab und zu "blubb".
Nach mindestens einer Stunde war er dann so wie er sein sollte.

Ich mochte den absolut nicht...

Es vergingen über 30 Jahre, ehe ich den Spinat für mich neu entdeckte.

Oma kannte wohl nur nur den derben Wurzel- oder Winterspinat.

 

Den zarten Blattspinat gab's zu ihrer Zeit wohl noch nicht.

 

Also Blattspinat:

In einem Kasserol lasse 150g gewürfelten Schinkenspeck aus. Gib dann 500g frischen, blanchierten und grobgehackten Blattspinat oder 250g Tiefkühl-Blattspinat dazu (auf kleiner Flamme lass ihn im Topf auftauen – ab-und-zu umrühren).
Dünste inzwischen in 1 EL Butter eine feingehackte Zwiebel glasig.

Fängt der Spinat an zu kochen, gib die Zwiebelwürfelchen hinein, würze mit reichlich Muskat, wenig Salz und 1 EL Zucker. Der Zucker ist ganz wichtig. Er nimmt den leicht kratzigen Geschmack, der empfindlichen Kindern die Kehle zuschnürt. Vorsicht mit Salz – Spinat ist schnell versalzen und außerdem enthält der Schinkenspeck schon Salz.

Nun kommt er, der Blubb „wo Sie geholfen werden...“: Rühre 2-3 Esslöffel süße Sahne, verquirlt mit 1/2 TL Kartoffelstärke ein und lass es noch 5 Minuten Blubben.

Traditionell gibt’s dazu Spiegelei und Bratkartoffeln.

Tipps:

1. Wenn auch faule Besserwisser auf das Blanchieren verzichten glauben zu können: Es hat u.a. den wichtigen Zweck, den starken Nitrat- und Oxalsäuregehalt des Spinats zu reduzieren. Nitrat kann sich bei längerer Lagerzeit in bedenkliches Nitrit verwandeln. Das kann speziell bei Kleinkindern die Sauerstoffaufnahme des Blutes beeinträchtigen - was lebensbedrohlich werden kann. Wer weiß, wieviele mit Spinat traktierte Babys schon darunter zu leiden hatten...

2. Und die vorhandene Oxalsäure verhindert, dass das angeblich so wichtige Eisen vom Organismus überhaupt aufgenommen werden kann.

3. Außerdem – und das ist für mich ausschlaggebend - braucht es zum Blanchieren des großen Bergs von 500g Blattspinat mindestens einen großen 6 L-Topf! Fällt der Spinat dann zusammen, benötigt er nur noch ein kleines Kasseroll - in welches der ganze Berg Blattspiat gar nicht hineingegangen wäre.

Im Gegensatz zu Omas Spinat, ist Blattspinat schon nach wenigen Minuten gar und sollte nicht togekocht werden!
Echte "Oma-Rezepte" sollte man generell nicht 1:1 umsetzen - bedenken, dass damals andere Bedingungen - und vielleicht auch ein anderer Geschmack - herrschten...

Der Spinat hat sich gemausert und hat vom ungeliebten Brei auch Zugang in die Gourmet-Küche gefunden. Wird in der heutigen Küche zu vielen interessanten Kombinationen verwendet. Siehe: gefüllte Auberginen.

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