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Nicht alles, was sich Eierschecke nennt, ist eine „Dresdner Eierschecke“. In
Leipzig heißt sie einfach nur Eierschecke und die obere Schicht ist
puddingähnlich – na gut – kann man auch essen. Aber Pudding und Rum-Aroma
z.B. haben in der „Dresdner Eierschecke“ nichts verloren. Überhaupt – die
schrecklichen Vereinfacher im Internet: – „Ich habe das so und so gemacht, das
ging einfacher und schmeckt genauso!“ Wenn es genauso schmeckt, dann liegt’s an
der Unterentwicklung der Geschmacksknospen! Unsere Großmütter haben ja nicht aus
Jux und Tollerei solchen Aufwand getrieben.
Eierschecke zu backen ist nicht ganz einfach. Und vereinfachte Rezepte ergeben
eben nun mal nur „Solche“ – aber nicht die „Richtige“. Eierschecke backen läuft
nicht nach dem Schema ab: Kuchen in den Herd – Kurzzeitwecker stellen – vor den
Fernseher setzen – wenn’s klingelt, Kuchen aus dem Ofen...
Mein Original Dresdener Rezept
Mürbeteig
•
100g kalte Butter • 100g Zucker • 1
Ei • 1 Prise Salz
Alle Zutaten sollten möglichst
kalt sein. Die harte Butter in Stücke schneiden und mit den anderen Zutaten gut
aber schnell – am besten mit einer Gabel – vermengen. Zusammenkneten, Teigkugel
in Folie wickeln und für mindestens 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
Den Quarkbelag bereiten:
• 500g Topfen Magerstufe • 100g weiche Butter •
2 Eier • 30g Speisestärke (oder ½ Pck. Dr.Oetger Käsekuchenhilfe – das
ist dasselbe) • 130g Zucker • 1 Tasse Sahne • ½ TL abgeriebene
Zitronenschale • Saft einer halben Zitrone • 1 Pck.
Vanillezucker • 100g gehackte Mandeln
• 50g in Rum
vorgeweichte Korinthen • 1 Prise Salz Butter schaumig rühren und
nach und nach den Zucker zugeben. Dann die Eier, den Quark, die Sahne. Mit der Stärke,
Mandeln und einer Prise Salz zu einer glatten Masse rühren. Zuletzt die
Korinthen unterziehen.
Vorbacken: Eine Springform
(28cm) mit Butter einfetten und leicht mit Mehl bestäuben. Den Teig aus dem
Kühlschrank nehmen, platt drücken und mit den Fingern gleichmäßig auf dem Boden
verteilen und einen kleinen Rand andrücken. Schnell arbeiten – wird der Teig
warm, klebt er an den Fingern. Frauen mit den immer kalten Händen sind hier im
Vorteil. Die Form mit dem Teig in den Ofen geben und bei 180 Grad 15-20min
vorbacken – bis er goldgelb ist. Dann aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.
Inzwischen die Schecke herstellen: •
100g weiche Butter • 100g Zucker • 6 Eier • 10
geriebene Bittere Mandeln • 1Pck. Vanillezucker • eine Prise
Salz • 4 EL Rum Die Eier in Dotter und Eiweiß trennen. Die Eiweiße
mit einer Prise Salz und 1EL kaltem Wasser zu einem steifen Schaum schlagen. Die
Butter mit etwas Zucker schaumig rühren. Dann nach und nach die Eidotter und die
übrigen Zutaten mit dem Schaumbesen unterschlagen – zuletzt den Rum. Dann den
Eischaum unter die Schecke-Masse ziehen.
Backen: • Den Herd auf 160° vorheizen. • Die Quarkmasse auf
den inzwischen abgekühlten Teig geben und unbedingt gleichmäßig glatt
verstreichen – sonst wird die Scheckeschicht nicht gleich hoch! • Die
Schecke auf der Quarkschicht verteilen.
Nun kommt das „Eierschecke-Backgeheimnis“ – denn die Oberschicht muss goldbraun
sein, keinesfalls schwarzbraun! Das erreicht man nicht durch oft angepriesene
Hilfsmittel wie Folie auflegen u.ä., sondern durch gestaffelte Backtemperaturen: 1.
Bei 160° 30 Minuten im Herd backen. 2. Die Hitze auf 150° reduzieren
und weiter 20 Minuten backen. 3. Dann die Hitze auf 140° reduzieren
und weitere 20 Minuten backen. Das muss genau eingehalten werden. Man muss
also seinen Herd genau kennen, inwieweit die Herd-Temperatureinstellung von der
tatsächlichen Temperatur abweicht.
Der Ofen darf zwischenzeitlich nicht geöffnet werden!
Wenn die Schecke-Creme zusammenfällt und sich verflüssigt, kannst Du den Klunsch
den Hasen geben... Wer schon mal ein Soufflé bereitet hat, kennt das.
Früher – als in Großmutters Küche noch Holzdielen üblich waren – hieß es: Wenn
die Eierschecke im Ofen ist, darf nur auf Zehenspitzen gelaufen werden!
Nach Ende der Backzeit den Kuchen noch 15min im Ofen belassen!
Dann den leicht abgekühlten Kuchen mit zerlassener Butter einpinseln und leicht
mit feinem Zuckcher überstreuen. Und bitte mit „zerlassener Butter“ – nicht
„zerlaufener“. Ist die Butter nur zerlaufen, schmeckt sie ziemlich langweilig.
Der Unterschied ist, dass „zerlassene Butter“ solange auf der Hitze bleiben
muss, bis der sich bildende großporige Schaum kleinporig geworden ist und sich
das zuerst oben schwimmende Kasein auf dem Grund anhängt – ein paar Krümel Salz
vorher zugegeben, erhöht noch den Wohlgeschmack.
Gutes Gelingen!
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