Röstschnitten

Ein Sonntagsessen - weil es die nur Sonntags gab, wenn keiner aus dem Haus musste – wegen des Knoblauchs.

Röstschnitten haben natürlich überhaut nichts mit Toast zu tun, dem scheinbar unverzichtbaren Utensil auf dem heutigen Frühstückstisch.
Wenn Mutter Sonntagmorgens den Küchenherd anheizte, lungerten wir schon herum und warteten bis die Herdplatte heiß genug war. Dann wurden Graubrotscheiben aufgelegt und auf beiden Seiten goldbraun angeröstet. Manchmal wurden sie auch ein bisschen schwarz und mussten mit dem Messer abgeschabt werden. Das war dann, zu Mutters „Freude“, mitunter eine etwas rußige Angelegenheit...
Auf dem heißen Röstbrot wurde nun eine Knoblauchzehe aufgerieben und alles sofort mit Butter bestrichen – auf einem Brettchen – denn die Butter kam unten durch. Mit Salz bestreut – eine Köstlichkeit.

Wir konnten nicht aufhören damit. Die Ofenplatte wurde zu klein, konnte gar nicht so schnell rösten, wie die Dinger gegessen wurden. Und man musste aufpassen, dass die eigene Scheibe nicht von den anderen stibitzt wurde. Manchmal wurde auch der Knoblauch alle - oder Mutter rückte keinen mehr raus.
Knoblauch soll ja sehr gesund sein – und wir taten viel für unsere Gesundheit. Aber wenn Sonntags zufällig, unangemeldet, mal der Herr Pfarrer oder der Herr Doktor auf einen Schwatz vorbeischauten, wurde es meist nur ein sehr abgekürzter Besuch. Sie fühlten sich offensichtlich unbehaglich in einer Familie, wo alle so gesund rochen...

Leider oder gottseidank gab es Röstschnitten nur in der kalten Jahreszeit – wo der Küchenherd geheizt wurde. Sonst wurde mit Gas gekocht. 

Der Wohlstand überkam uns. Küchen wurden mehr und mehr zentral beheizt. Küchenherde verschwanden aus den Küchen und damit die Röstschnitten. Auf Gasherden ließen sich keine Röstschnitten herstellen. Ein kultureller Verfall begann.
Das Röstbrot wurde amerikanisiert, verweichlicht - verkam zur Toastscheibe. Und der Toaster bräunt nur dieses standardisierte Weißmehlgebäck. Mit einer Sauerteigscheibe Graubrot will er nicht, kann er nicht - die Rinde wird knochenhart und verkohlt.

Der Gasherd wurde vom Elektroherd abgelöst. Schwerfällig zwar - manche Hausfrau trennte sich nur ungern vom schnellen Gas.
Aber er Elektroherd bot neue Möglichkeiten. Hat er doch heiße eiserne Platten, wie der Küchenherd.
Und ich habe Versuche gemacht:
Auf der niedrigsten Stufe der Elektroplatte klappt es einigermaßen, wenn man die Brotscheibe öfters hin-und-her schiebt und der Elektroplatte erst mal 10 Minuten Zeit gibt, ihre Temperatur zu finden.

Gute Ergebnisse habe ich auch auf einem Ceranfeld erzielt, aber die nachherige Säuberung desselben...

Immerhin, es ist wieder Licht am Horizont. Moderne Küchentechnik gibt auch der Röstschnitte wieder eine gesunde Chance. 

Doch Vorsicht – man kann nicht aufhören...

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