18.06.2011


Im
Vorderschloss konnten wir auch den ehemaligen Gefängnistrakt besichtigen. Noch bis 1952 befand sich hier das Leisniger Amtsgerichtsgefängnis. 

In so sauberem und gepflegtem Zustand wie es sich heute zeigt, dürfte dieser Gebäudeteil allerdings in früheren Zeiten nicht gewesen sein.
Mehrfach wurde vom Leisniger Amtmann über die hygienischen Zustände Beschwerde geführt: 

1830: „...endlich ist in dem übrigen besten Locale welches sich vorfindet ein solcher Gestank, daß man es kaum einige Minuten ohne heftigen Kopfschmerz zu bekommen, darin aushalten kann.“

In diesem Gefängnis starb auch der Namensgeber unserer Schule, Sigismund Reschke. 
Eine Gefängniszelle, gestaltet als Diorama in Lebensgröße, erinnert an ihn.

Am 1. Oktober 1848 wurde der Advokat Sigismund Reschke zum Bürgermeister gewählt.
Im Juli 1849 wurde Bürgermeister Reschke unter Vorwurf der Unterstützung des „Dresdner Maiaufstandes“ seines Amtes enthoben und ins Amtsgerichts-Gefängnis auf der Burg Leisnig verbracht. 
Nach fünfmonatiger Kerkerhaft erkrankte Reschke schwer an Typhus, wurde aber trotzdem im Gefängnis behalten. Es wurde jedoch seiner Gattin gestattet, ihn zu pflegen. Ihr Gesuch, den Patienten zur Pflege in die Privatwohnung überführen zu dürfen, wurde abgelehnt.

Am 1. Juni 1850 ist Bürgermeister Reschke im Alter von 32 Jahren im Gefängnis Leisnig gestorben. 
Die Bitte seiner Anhänger, einen Leichenzug zu veranstalten, wurde vom Gericht abgelehnt. Aber Sie stifteten ihm ein Ehrenmal, das man heute noch auf der Ostseite des alten Leisniger Friedhofs auf seiner letzten Ruhestätte findet.

In später Ehrung erhielt 1945 die Leisniger Volksschule den Namen „Sigismund-Reschke-Schule“.

Ende der 60er Jahre fanden es die verantwortlichen Kulturträger vonnöten, diesen Namen wieder zu entfernen und die Schule nach dem Spanienkämpfer Hans Beimler zu benennen – dieser entsprach wohl eher dem kommunistischen Bedürfnis nach Heldenverehrung.

Heute heißt sie wieder „Sigismund-Reschke-Schule“. 


Geschichte nach 1945

In einer der Zellen sind auch die Aufzeichnungen eines  Häftlings nach 1945 ausgelegt.
Er brachte noch weitere 5 Jahre in verschiedenen Zuchthäusern zu.

Eberhard Schlorke war der HJ-Führer von Leisnig.

Bei seiner Verhaftung war er 16 Jahre alt.


Auch die sogenannte Schwarzküche wurde uns gezeigt - so folkloristisch romantisch wird's früher allerdings nicht gewesen sein

Dabei handelt es sich natürlich nicht um die ehemalige Schlossküche, worin - wenn der "Hof" anwesend war - bis zu 60 Personen bekocht werden mussten. Wo sich die Schlossküche einst befand, ist noch nicht geklärt.

Rätselhaft ist vor allem - wie 1706 der Hofstaat des Polnischen Königs Leszinsky mit über 1000 Personen hier im Schloss über zwei Jahre lang beköstigt wurde...

 
18.06.2011